Schussempfindlichkeit beim Jagdhund

Wenn der eine Schuss plötzlich zum Problem wird…

Unsere Erfahrung mit Vinzenz

Unser Magyar-Vizsla-Rüde Vinzenz, den wir liebevoll Vinzalee nennen, wurde am 15. Mai 2025 gewölft.

Am 18. Juli 2025 haben wir ihn abgeholt und damit begann für uns das gemeinsame Leben mit einem zweiten Magyar Vizsla.

Unser 13-jähriger Vizsla-Rüde Niko, den wir meistens nur noch Lump oder Lumpalee nennen, war anfangs von seinem jungen Mitbewohner alles andere als begeistert.

Fast zwei Monate lang machte er Vinzalee ziemlich deutlich, dass ein „König“ nicht unbedingt einen zweiten „Prinzen“ an seiner Seite braucht.

Heute sieht das völlig anders aus.

Die beiden sind inzwischen ein Herz und eine Seele. Und jedes Mal, wenn der Kleine mit dem Herrle wieder vom Jagdhundekurs oder von einer Prüfung nach Hause kam, wurde er von Niko ausführlich und herzlich begrüßt.

Vinzenz ist unser Familienhund – genauso wie Niko. Er gehört genauso zu meiner Frau wie zu mir und lebt selbstverständlich mitten in unserer Familie.

Magyar Vizsla Vinzalee und Niko schlafen entspannt eng beieinander
Heute sind Vinzalee und unser Senior Niko ein Herz und eine Seele.

Seine jagdliche Ausbildung, die Arbeit im Revier und das Führen auf Prüfungen liegen allerdings bei mir. Deshalb werde ich gerade bei Ausbildung und Prüfungen auf dieser Seite bewusst aus meiner persönlichen Sicht berichten.

Bereits einen Tag nach seiner Abholung begann unser erster Kurs „Welpentreffen beim Hundsvadda“ (den fast jeder Hundebesitzer in unserer Region persönlich kennt!)

Diesen besuchten wir regelmäßig bis Anfang November 2025.

Schon dort zeigte sich Vinzenz als aufmerksamer, arbeitsfreudiger und sicherer Junghund.

Schüsse waren zu dieser Zeit überhaupt kein Problem.


Vom Welpenkurs zur jagdlichen Ausbildung

Anfang März 2026 begann ich mit Vinzenz den Abrichtekurs für die qualifizierte Brauchbarkeitsprüfung (QBP), Teil 1 und 2, beim Kreisjagdverband Kelheim.

Anfang Mai kam parallel ein spezieller HZP-Vorbereitungskurs hinzu.

Damit standen für Vinzenz und mich zweimal pro Woche feste Ausbildungstermine auf dem Programm:

einmal QBP und einmal HZP.

Vinzenz entwickelte sich in beiden Kursen sehr gut.

Besonders bei der Wasserarbeit machte er mir sehr große Freude.


Ein Hund mit außergewöhnlicher Wasserpassion

Video: So arbeitete Vinzalee wenige Wochen vor der HZP am Wasser

Dieses Video entstand mehrere Wochen vor der HZP und zeigt den damaligen Ausbildungsstand von Vinzenz gemeinsam mit unserem älteren Vizsla Niko.

Es zeigt, wie selbstverständlich „Vinzalee“ zu diesem Zeitpunkt am Wasser gearbeitet hat. Wasserannahme und das freudige bringen waren damals für ihn völlig normal und mit großer Passion verbunden.

Video direkt auf Facebook ansehen →

Auch im HZP-Vorbereitungskurs fiel Vinz immer wieder durch seine ausgesprochen starke Wasserpassion auf.

War ein Gewässer stark mit Seerosen und anderen Wasserpflanzen bewachsen, wurde er häufig als einer der ersten Hunde geschickt.

Er wollte ins Wasser.

Er wollte suchen.

Und vor allem wollte er finden.

Ob Apportel oder tote Ente – sein Drang, das Stück zu finden und zurückzubringen, war enorm.

Natürlich war nicht von Anfang an alles perfekt.

Eine unserer Baustellen war die saubere Ausgabe. Die Ente landete anfangs gerne einmal direkt vor meinen Füßen.

Aber auch das wurde immer besser.

Zum Ende des HZP-Vorbereitungskurses waren Wasserarbeit, Enten- und Kaninchenschleppen und die übrigen Ausbildungsfächer für ihn kein grundsätzliches Problem mehr.

Beim Vorstehen zeigte er sich ungewöhnlich begabt und stand bei der Ausbildung oft „wie ein Brett“ Fasane und Rebhühner vor. Das konnte er bei späteren Prüfungen dann auch zeigen.

Ich hatte einen jungen Jagdhund, bei dem ich gerade am Wasser ausgesprochen zuversichtlich war.

Bis zum 4. September 2026.


Der 4. September 2026 – der Tag, an dem sich etwas veränderte

Am Freitag, den 4. September 2026, fand unser letzter Übungstag des HZP-Vorbereitungskurses statt.

Bei einer Wasserübung warf ich eine tote Ente ungefähr ca. sieben bis acht Meter weit ins Wasser.

Vinzenz schwamm zur Ente.

Dann fiel der Schuss.

Dieser Schuss ging von jemand anderem direkt vor ihm auf die tote Ente und nicht mit entsprechendem Abstand daneben beziehungsweise dahinter.

Vinzenz reagierte unmittelbar.

Er drehte im Wasser um, kam zu mir zurück und setzte sich neben mich.

So etwas hatte er zuvor noch nie gemacht.

Wir schafften es anschließend, dass er das Wasser wieder annahm.

Er holte die Ente und brachte sie zurück. Doch auch hier war sein Verhalten anders als zuvor.

Bis dahin war die Ausgabe bereits gefestigt: Vinzenz setzte sich vor mich, hielt die Ente im Fang und wartete, bis ich sie ihm abnahm.

An diesem Tag ließ er die Ente dagegen einfach fallen.

Auch das war für mich rückblickend ein weiteres kleines Zeichen dafür, dass an diesem Übungstag etwas nicht mehr so lief wie zuvor.

Danach folgte die Arbeit an einer lebenden Ente.

Diese wechselte aus dem Weiher über einen schmaler Damm in einen benachbarten Weiher.

Vinzenz folgte ihr.

Dort wurde diese dann mit einem Schrotschuss erlegt.

Den genauen Ablauf konnte ich aufgrund meiner Entfernung nicht beobachten.

Was ich allerdings sehen konnte:

Nach dem Schuss von einer anderen Person auf die lebende Ente verließ Vinzenz wieder das Wasser und suchte meine Nähe.

Letztendlich hatte er dann noch die erlegte Ente aus dem Wasser gebracht.

Der gesamte Ausbildungstag an diesem Abend verlief sehr hektisch und chaotisch und die lebende Ende wurde erst bei einsetzender Dämmerung fortgesetzt…

Deshalb maß ich diesen beiden Reaktionen zunächst keine größere Bedeutung bei.

Das sollte sich wenige Tage später ändern.


Fünf Tage später bemerkte ich erstmals ein ernstes Problem

Am 9. September fand wieder unser normaler QBP-Abrichtekurs statt.

Ich sollte Vinzenz im Stangenholz mit Flinte frei suchen lassen. Im Rahmen dieser Arbeit sollten auch zwei Schüsse zur Überprüfung der Schussfestigkeit abgegeben werden.

Dann passierte etwas, das ich von meinem Hund überhaupt nicht kannte.

Vinzenz klebte an meinem linken Knie!

Ich konnte ihn kaum dazu bewegen, sich von mir zu lösen und frei zu suchen.

Ein Hund, der normalerweise selbstständig und mit Freude arbeitete, wollte plötzlich unmittelbar bei mir bleiben.

Hier wurde mir zum ersten Mal bewusst:

Wir könnten tatsächlich ein Problem mit dem Schuss bzw. dem Führen einer Waffe haben.

Ich bin Waffenhändler und habe im Büro tagsüber oft Waffen in der Hand. Auch dort, wo die beiden Hunde liegen. Das allein sollte kein Problem für den jungen Hund sein.

Und plötzlich ging es nicht mehr nur um eine gute Bewertung bei der HZP.

Auch die qualifizierte Brauchbarkeitsprüfung stand auf einmal infrage.


Die erste HZP

Am 13. September 2026 traten Vinzenz und ich zur HZP an.

Im Feld erkannte ich zunächst wieder meinen alten Hund.

Freie Suche, Feldarbeit und Vorstehen funktionierten hervorragend.

Während er eine Stilllegung absuchte, nahm er die Witterung eines Fasans auf und stand diesem außergewöhnlich lange und fest vor – wie ein Brett. Erst auf mein Kommando durfte er den Fasan hochmachen. Danach verfolge er noch mit Ausdauer und Passion einen Hasen, den er hoch gemacht hat.

In zwei Fächern standen dadurch sehr hohe Bewertungen im Raum.

Dann kam die Arbeit mit der Flinte: Freie Suche auf dem Feld mit Abgabe von zwei Schüssen.

Wieder hatte ich große Schwierigkeiten, Vinzenz dazu zu bringen, sich von meiner Seite zu lösen.

Ohne Waffe hatte er zuvor völlig anders gearbeitet.

Die Prüfer sahen sein Verhalten zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht zwingend als klassische Schussscheue an und ließen mich weiterprüfen.

Danach ging es ans Wasser.

Und ausgerechnet am selben Gewässer mit identischem Einstieg, an dem wenige Tage zuvor unser letzter HZP-Übungstag stattgefunden hatte.

Eine tote Ente wurde ins Wasser geworfen.

Vinzenz nahm das Wasser an und schwamm zur Ente.

Ich gab den Schuss sauber und mit deutlichem Sicherheitsabstand zur toten Ente ab.

Trotzdem drehte Vinzenz um.

Er kam ohne Ente zu mir zurück und nahm das Wasser innerhalb der vorgeschriebenen Zeit nicht erneut an.

Damit war unsere erste HZP beendet.

Nicht bestanden.


Jetzt wollte ich das Problem unbedingt lösen

Für mich war klar:

Ich wollte nicht einfach aufgeben.

In den folgenden Tagen begann deshalb ein ausgesprochen intensives Training.

Nahezu täglich holte Vinzenz eine tote Ente aus dem Wasser.

Wir arbeiteten vorsichtig und dosiert mit Geräuschreizen.

Dabei kamen unter anderem eine Schreckschusspistole und zwei gegeneinandergeschlagene Holzlatten zum Einsatz.

Parallel arbeitete ich mit ihm im Wald.

Freie Suche, dosierte Schussabgabe und dabei immer unser älterer Hund Niko als ruhiger Begleiter und am Schluss immer ein Stück Schleppwild, dass er freudig brachte.

Interessanterweise zeigte Vinzenz dort keine vergleichbaren Probleme.

Auch Kaninchenschleppen im Wald und die Arbeit mit der Ente am Land und aus dem Wasser funktionierten ohne Probleme.

Fast jedesmal hatten wir wieder eine perfekte Ausgabe im Sitzen.

Das machte mir Hoffnung und darum meldete ich uns zwei Wochen nach der ersten für eine weitere HZP an.


Die zweite HZP am 26.09.26

Bis kurz vor der zweiten HZP hatte ich täglich sehr intensiv mit Vinzenz gearbeitet.

Dabei achtete ich besonders darauf, dass die Übungen spielerisch blieben und er weiterhin Freude an der gemeinsamen Arbeit hatte.

Unseren älteren Vizsla Niko ließ ich bei diesen zusätzlichen Trainingseinheiten bewusst zu Hause, damit ich mich ganz auf Vinzenz konzentrieren konnte.

Zwei Tage vor der Prüfung stellte ich das Training vollständig ein.

Ab diesem Zeitpunkt gab es nur noch entspannte Spaziergänge.

Vinzenz sollte zur Ruhe kommen und ohne zusätzlichen Druck in die Prüfung gehen.

Für diesen zweiten HZP-Termin bin ich sogar extra aus meinem Urlaub dorthin angereist und es ging erst mal sehr gut los.

Im Feld zeigte Vinzenz erneut, was tatsächlich in ihm steckt.

Bei der freien Suche arbeitete er weiträumig, selbstständig und trotzdem ausgesprochen führerorientiert.

Große Bögen, ohne Kommandos und immer wieder Orientierung zu mir.

Auch danach bei freier Suche auf dem Feld mit Schussabgabe zeigte er überhaupt keine Anzeichen mehr von Schussempfindlichkeit!

Die Prüfer waren von dieser Arbeit sehr angetan.

Auch beim Vorstehen zeigte er eine starke Leistung bei einem Fasan am Maisrand.

Und dann kam wieder das Wasser.


Die tote Ente funktionierte – aber irgendetwas war anders

Die Wasserannahme war zunächst deutlich schlechter als früher. Vermutlich wegen der vielen Zuschauer und Prüfer.

Mit Geduld konnte ich Vinzenz aber dazu bewegen, ins Wasser zu gehen.

Er schwamm zur toten Ente, ich gab einen Schuss über die Ente ab und Vinzenz nahm sie sauber auf und kam direkt zu mir zurück.

Die Ente landete zwar wieder vor meinen Füßen.

Aber in diesem Moment war mir das vollkommen egal. Hier gab es kaum noch Zweifel der Schussscheue in dieser Situation an ihm!

Er war geschwommen. Er hatte die Ente genommen. Und er hatte sie gebracht.

Auch bei der Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer nahm Vinzalee nach kurzer Überlegung das Wasser an.

Er suchte.

Er fand.

Und er brachte.

Dann folgte die lebende Ente…

Vinzenz schwamm tatsächlich in den Schilfbereich, in dem sich die Ente befand.

Die Ente wechselte anschließend ins freie Wasser.

Und plötzlich passierte etwas, das überhaupt nicht zu dem Hund passte, den ich aus den Monaten zuvor kannte:

Vinzenz verlor praktisch das Interesse an der Ente.

Der junge Hund, der während des gesamten Vorbereitungskurses kaum zu bremsen gewesen war, wenn irgendwo eine Ente im Wasser lag, ließ sie plötzlich links liegen.

Für mich war das kaum nachvollziehbar.

Damit war auch unsere zweite HZP beendet.

Wieder nicht bestanden.


Dann kam die Prüfung, vor der ich inzwischen wirklich Angst hatte

Am 3. Oktober 2026 stand schließlich die qualifizierte Brauchbarkeitsprüfung Teil 1 und 2 an.

Vor diesem Termin war ich innerlich ausgesprochen nervös und angespannt.

Ich wusste schließlich, was Vinzenz konnte – aber ich hatte auch meine berechtigten Zweifel!

Genau das machte die Situation aber so schwierig.

Hinter uns lag ungefähr ein halbes Jahr intensiver Ausbildung.

Andere Hunde aus unserem Kurs, die zu Beginn -wegen dem vorangegangenen Welpenkurs mit Vinzenz- deutlich weniger konnten, hatten aufgeholt und waren von ihren Führern Schritt für Schritt auf diese Prüfung vorbereitet worden.

Und genau so sollte es sein.

Aber bei mir stand plötzlich eine vollkommen andere Frage im Raum:

Was passiert, wenn wir wegen dieses einen Problems jetzt sogar die Brauchbarkeitsprüfung nicht bestehen?

Natürlich hätte ich gewusst, dass wir das Problem vermutlich irgendwann lösen würden.

Vinzenz wäre im nächsten Jahr älter und reifer gewesen.

Aber soll man deshalb nach Monaten gemeinsamer Arbeit noch einmal von vorne anfangen?

Noch einmal einen ganzen Kurs besuchen?

Noch einmal zur Prüfung antreten?

Obwohl man einen Hund hat, von dem man weiß, dass er all diese Dinge eigentlich kann?


Qualifizierte Brauchbarkeitsprüfung am 3. Oktober 2026

Die ersten Fächer absolvierte Vinzenz wieder souverän. Es gab keine Beanstandungen und zunächst lief alles so, wie ich es von ihm kannte.

Dann ging es wieder ins Stangenholz.

Vinzenz sollte sich innerhalb einer Minute von mir lösen und frei suchen. Währenddessen sollte ich zwei Schüsse abgeben, ohne dass er Anzeichen von Schussscheue zeigt.

Als der Moment zum Schießen kam, war er plötzlich wieder direkt an meinem linken Knie.

Mein erster Gedanke war nur:

Das kann jetzt nicht sein.

Gefühlt dauerte es fast 50 Sekunden, bis ich ihn wieder davon überzeugen konnte, sich von mir zu lösen und frei zu suchen:

Ich wurde wütend und schickte ihn schroff weg. Dann tat er es dann endlich.

Und als ich schließlich die beiden Schüsse abgab, zeigte er Gott sei Dank keine weitere Auffälligkeit.

In diesem Moment war ich völlig fertig.

Ich war durchgeschwitzt, fertig mit den Nerven und wusste genau:

Hier hätte unsere Prüfung zu Ende sein können.

Die Prüfer bewerteten die Situation glücklicherweise mit Augenmaß und ließen uns weiterarbeiten.

Bei der Schweißfährte war ich selbst so angespannt, dass ich kaum noch einschätzen konnte, wie Vinzenz gearbeitet hatte. Auf meine Nachfrage erklärten mir die Prüfer jedoch, dass er sauber auf der Spur gewesen war und das ausgelegte Stück sicher gefunden hatte. Wenn auch in den Augen der Prüfer deutlich zu schnell. Egal.

Auch die Kaninchenschleppe im Wald und die Entenschleppe auf der Wiese meisterte er ohne Probleme und gab das Schleppwild im Sitzen sauber aus.

QBP Teil 1 und 2 geschafft! Wir haben einen jagdlich brauchbaren Junghund.

Eigentlich hätte ich in diesem Moment erleichtert und glücklich sein müssen.

Aber genau das war ich zunächst nicht.

Nach all den Wochen voller Zweifel, Training und Anspannung fiel ich nach der Prüfung erst einmal in ein tiefes Loch.

Ich konnte mit der ganzen Situation überhaupt nichts anfangen.

Es dauerte tatsächlich mehrere Tage, bis ich überhaupt realisiert hatte:

Wir hatten zumindest die qualifizierte Brauchbarkeitsprüfung ohne den Wasserteil geschafft.

Und das war nach allem, was vorher passiert war, alles andere als selbstverständlich.


Wenn eine nicht bestandene Prüfung plötzlich am eigenen Ego kratzt

Über diesen Punkt wird meiner Meinung nach viel zu wenig gesprochen.

Natürlich geht es bei einer Jagdhundeprüfung in erster Linie um den Hund und seine Leistung.

Aber am anderen Ende der Leine steht ein Mensch.

Und nach Monaten intensiver Arbeit trifft einen eine nicht bestandene Prüfung durchaus persönlich.

Man beginnt nachzudenken.

Habe ich etwas falsch gemacht?

Hätte ich früher anders reagieren müssen?

Warum bekomme ich meinen Hund plötzlich nicht mehr so geführt, wie ich ihn eigentlich kenne?

Und irgendwann stellt man sich auch die unangenehme Frage:

Bin ich überhaupt in der Lage, meinen Hund vernünftig abzuführen?

Das kratzt am eigenen Ego.

Und ich halte es für falsch, so zu tun, als wäre das nicht so.

Gerade wenn man vorher erlebt hat, zu welchen Leistungen der eigene Hund eigentlich fähig ist.

Für mich fühlte sich die Vorstellung, diese Prüfung wegen eines plötzlich aufgetretenen Problems nicht zu bestehen, nach all der gemeinsamen Arbeit tatsächlich wie eine Ohrfeige an.

Für mich.

Und irgendwie auch für meinen Hund.


Warum ich unsere Geschichte öffentlich erzähle

Diese Seite soll kein Lehrbuch über Schussscheue beim Jagdhund werden.

Und sie soll ausdrücklich niemanden anklagen.

Ich kann heute nicht beweisen, wodurch sich Vinzens Verhalten letztendlich verändert hat.

Ich kann aber sehr genau dokumentieren, wann sich sein Verhalten verändert hat und was unmittelbar davor passiert ist.

Genau das möchte ich tun.

Diese Seite wird deshalb in den nächsten Wochen und Monaten weiter wachsen.

Wir werden Bilder und Videos ergänzen.

Ich werde über weitere Trainingseinheiten berichten.

Wir werden festhalten, was funktioniert hat – und genauso offen darüber schreiben, was nicht funktioniert hat.

Denn vielleicht sitzt irgendwann ein anderer Hundeführer vor seinem Computer oder Smartphone und sucht verzweifelt nach genau diesem Thema:

Mein Jagdhund war schussfest – und plötzlich ist alles anders. Was jetzt?

Vielleicht erkennt er seinen eigenen Hund in Teilen unserer Geschichte wieder.

Und vielleicht hilft ihm allein die Erkenntnis, dass er mit diesem Problem nicht der Einzige ist.


Warum ich nie wieder jemand anderen in die Nähe meines Hundes schießen lasse

Auch wenn es sich um einen erfahrenen und bekannten Ausbilder handelt, der selbst Seminare zur Schussabgabe am Wasser besucht hat, würde ich diesen Punkt heute niemals wieder aus der Hand geben.

Meine persönliche Konsequenz aus meinen Erfahrungen ist eindeutig:

Den Schrotschuss über beziehungsweise neben der Ente muss der Hundeführer selbst sicher beherrschen.

Ich kann jedem nur empfehlen, genau diese Situation vor einer Prüfung ausgiebig zu trainieren und – wenn sich die Möglichkeit bietet – auch ein entsprechendes Seminar zu besuchen.

Denn dieser eine Schuss ist für den Hund eine sensible Situation. Nach dem, was ich mit Vinzenz erlebt habe, würde ich die Verantwortung dafür keinem anderen mehr überlassen.

Ich bin selbst Waffenhändler und schieße regelmäßig mit sehr unterschiedlichen Waffen. Trotzdem habe ich vor der Prüfung ganz bewusst auf einer Wiese mit einem kleinen Pappkarton trainiert.

Ich wollte genau wissen:

Wo liegt meine Schrotgarbe tatsächlich?

Und trifft sie dort, wo ich sie erwarte?

Das klingt vielleicht banal. Ist es aber nicht.

Gerade unter Prüfungsdruck sieht die Situation plötzlich anders aus als auf dem Schießstand oder bei einer normalen Jagd. Der Hund ist im Wasser, die Ente bewegt sich, Prüfer und andere Personen stehen dabei – und trotzdem muss der Schuss sicher und kontrolliert sitzen.

Bei unserer ersten HZP erlebte ich beispielsweise, dass ein Jungjäger bei der lebenden Ente dreimal schießen musste, weil die Ente zunächst nicht getroffen wurde.

Unabhängig von der Bewertung einer solchen Situation bringt das vor allem eines:

zusätzliche Unruhe in eine ohnehin anspruchsvolle Prüfungssituation.

Deshalb ist meine Empfehlung heute ganz klar:

Wer seinen Hund auf HZP oder eine vergleichbare Wasserarbeit vorbereitet, sollte nicht nur den Hund trainieren.

Auch der Hundeführer selbst muss den Schuss am Wasser trainieren.

Und wenn es dort nur Luftballons sind, auf die man im Training schießt.

Gerade auch in Bezug auf Tierwohl bei der lebenden Ente. Das sind wir Jäger dem Wild schuldig.

Bei einer so sensiblen Situation würde ich persönlich das Ruder nie wieder an jemand anderen übergeben.


Vinzenz ist deshalb kein schlechter Jagdhund geworden

Das ist für mich vielleicht die wichtigste Erkenntnis unserer bisherigen Geschichte.

Vinzenz ist nicht plötzlich ein schlechter Hund geworden.

Er ist weiterhin derselbe arbeitsfreudige, führerbezogene und passionierte Jagdhund, den ich über Monate ausgebildet habe.

Bei der Feldarbeit hat er das immer wieder eindrucksvoll gezeigt.

Auch seine ursprüngliche Passion ist nicht einfach verschwunden. Im Gegenteil!

Aber irgendetwas hat sich für mich verändert.

Und genau deshalb geht es für mich jetzt nicht darum, ihm möglichst schnell irgendeine Prüfung abzuringen.

Es geht darum, herauszufinden, was passiert ist, wie Vinzenz damit umgeht und wie wir gemeinsam wieder Vertrauen aufbauen können.

Diesen Weg werden wir hier auf aufgehtsfreun.de weiter dokumentieren.

Das hier ist ein Erfahrungsbericht von mir persönlich:
Ehrlich, praxisnah und aus Sicht eines Hundeführers, der plötzlich vor einem Problem stand, mit dem er wenige Wochen zuvor niemals gerechnet hätte.

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